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Aus Anlass des 40. Todestages ehrte die Stadt Brackenheim
am 12. Dezember ihren großen Sohn und ersten Präsidenten
der Bundesrepublik Deutschland mit einer Kranzniederlegung
am Gedenkstein gegenüber dem Theodor Heuss Museum.
Bürgermeister Rolf Kieser erinnerte im Namen der Stadt
Brackenheim und des Theodor-Heuss-Freundeskreises Baden-Württemberg
e.V. an „einen der ganz großen Staatsmänner
der Geschichte und außergewöhnlichen Menschen,
dem es Zeit seines Lebens gelungen war, in seinem amtlichen
und privaten Wirken die Sachlichkeit des Gelehrten mit der
Wärme des Humanisten zu verbinden.“
Demokratie und Freiheit habe Theodor Heuss als lebensgestaltende
Werke begriffen und damit betont, dass Menschen sich in eine
lebendige und lebenslange Gestaltung von demokratischen Werten
hineinbegeben, - ja sich daran hingeben müssen –
wenn sie es denn mit Demokratie und Freiheit ernst meinen.
In diesem Sinne habe Theodor Heuss nicht nur unser Grundgesetz
geprägt, sondern vor allem auch Eckpfeiler für unsere
demokratische Kultur gesetzt. Demokratie sei für ihn
nicht nur Staatsform gewesen, sondern zuvorderst Lebensform...
Viele repräsentative Pflichten habe Theodor Heuss als
Bundespräsident erfüllt, aber nur „Staatsschauspieler“
oder „Repräsentationsonkel“ wollte er nicht
sein. Der politische Pädagoge überzeugte die Deutschen
von den Werten der Demokratie, als Staatsoberhaupt verschaffte
er der jungen Bundesrepublik wieder Zutritt zur europäischen
Völkerfamilie. Seinen politischen Kompetenzen hat er
im Parlamentarischen Rat selbst mit definiert: ausgleichende
Kraft soll der Bundespräsident sein im für die Demokratie
lebensnotwendigen politischen Streit.
Nach seinem Amtsantritt als Bundespräsident 1949 stellte
sich Theodor Heuss die Aufgabe, die „Deutschen zu entkrampfen“,
dem durch die Zeitgeschichte schwer geschüttelten und
zerrissenen deutschen Volk so etwas wie Selbstachtung, aber
auch demokratisches Bewusstsein zu vermitteln.
Als Geburtsstadt sei es für Brackenheim Ehre und Verpflichtung
zugleich, Persönlichkeit und Lebenswerk von Professor
Doktor Theodor Heuss wach zu halten.
Zeit seines Lebens sei die Beziehung Theodor Heuss' zu seiner
Geburtsstadt Brackenheim geprägt gewesen von bemerkenswerter
und liebevoller Wärme. Diese Wärme währte ein
ganzes Leben und Theodor Heuss bezog sich in jeder Lebensphase
auf "sein" Brackenheim: für die Kinderzeit
in seinen Jugenderinnerungen "Vorspiele des Lebens";
im schriftstellerischen Pseudonym "Thomas Brackheim"
während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur;
mit den Besuchen in seiner Heimatstadt, allen voran demjenigen
zur Entgegennahme der Ehrenbürgerschaft der Stadt Brackenheim
am 2. Oktober 1949.
In seiner Abschiedsrede als amtierender Präsident der
Bundesrepublik Deutschland im September 1959 verglich Theodor
Heuss sein Leben mit dem Flüsschen seiner Geburtsstadt,
der Zaber. Und in seinem letzten Lebensjahr äußerte
er in einem Brief großes Bedauern, wegen seiner schweren
Krankheit nicht nochmals die vertrauten Freunde und Orte besuchen
zu können. „Dass mein Nachtpfleger aus Brackenheim
stammt, ist ja eine liebenswürdige Ausweitung meines
Schicksals“ schrie er 3 Monate vor seinem Tod an die
Stadt.
Umso mehr erfülle die Stadt Brackenheim mit Freude und
Achtung die Aufgabe, das Andenken an diesen großen Deutschen
zu erhalten und in seinem Sinne demokratische Erinnerungskultur
zu pflegen. Auch in finanziell für die Kommunen immer
schwereren Zeiten leiste die Stadt Brackenheim hier ihren
Beitrag - vor allem auch als Perspektive für die junge
Generation - Demokratie als Lebensform zu pflegen.
„Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt
gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele“.
Unter dieses Bibelwort aus dem Matthäusevangelium hatte
Altlandesbischof Martin Haug den Trauergottesdienst für
Theodor Heuss vor 40 Jahren gestellt. Die Menschenseele und
die damit verbundene unantastbare Würde des Menschen,
jedes Menschen, ist ein einzigartiger Wert. Dies thematisierte
Theodor Heuss wiederholt mit dem Begriff der „Anständigkeit
in der Politik“.
Theodor Heuss habe mit seinem Werk und Leben einen Maßstab
gesetzt, Raum und verantwortliche Freiheit für den Menschen
zu bewahren und uns die Möglichkeit eröffnet, uns
im demokratischen Gefüge selbst für diese verantwortliche
Freiheit im Rahmen unserer demokratischen Grundordnung einzusetzen.
Mit einigen Momenten der Besinnung und Stille würdigten
die Anwesenden Leben und Werk von Theodor Heuss.
Im Anschluss nahm eine Abordnung der Stadt an der Gedenkfeier
am Grab von Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp auf dem Stuttgarter
Waldfriedhof teil. Mitglieder der Familie Heuss, Repräsentanten
des Bundes, des Landes, verschiedene Stiftungen, der FDP sowie
verschiedene Städte – darunter auch seine Geburtsstadt
Brackenheim- legten dort Kränze zum Gedenken an Theodor
Heuss nieder. “Heuss wusste, Demokratie gibt es nur
dort, wo es Demokraten gibt. Er hat der Bundesrepublik viel
mit auf den Weg gegeben.“ betonte Lord Ralf Dahrendorf,
Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus
in seiner Ansprache. Für den Oberbürgermeister der
Stadt Stuttgart Wolfgang Schuster ist Heuss’ Vorbildfunktion
nach wie vor ungebrochen. Enkel Ludwig Theodor Heuss erinnerte
an die verschiedenen Aspekte der Persönlichkeit seines
Großvaters – Staatsmann, Journalist, Gelehrter
und Maler. Aus all diesen Facetten habe „sich ein Lebensweg
zusammengefügt, der sich stets an der inneren Freiheit
und Unabhängigkeit des überzeugten Liberalen orientiert
hat.“ |