Todestag von Theodor Heuss am 12. Dezember 2003
" Vorbild und Verpflichtung"
 
         
 

40.

Aus Anlass des 40. Todestages ehrte die Stadt Brackenheim am 12. Dezember ihren großen Sohn und ersten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein gegenüber dem Theodor Heuss Museum.

Bürgermeister Rolf Kieser erinnerte im Namen der Stadt Brackenheim und des Theodor-Heuss-Freundeskreises Baden-Württemberg e.V. an „einen der ganz großen Staatsmänner der Geschichte und außergewöhnlichen Menschen, dem es Zeit seines Lebens gelungen war, in seinem amtlichen und privaten Wirken die Sachlichkeit des Gelehrten mit der Wärme des Humanisten zu verbinden.“

Demokratie und Freiheit habe Theodor Heuss als lebensgestaltende Werke begriffen und damit betont, dass Menschen sich in eine lebendige und lebenslange Gestaltung von demokratischen Werten hineinbegeben, - ja sich daran hingeben müssen – wenn sie es denn mit Demokratie und Freiheit ernst meinen. In diesem Sinne habe Theodor Heuss nicht nur unser Grundgesetz geprägt, sondern vor allem auch Eckpfeiler für unsere demokratische Kultur gesetzt. Demokratie sei für ihn nicht nur Staatsform gewesen, sondern zuvorderst Lebensform...

Viele repräsentative Pflichten habe Theodor Heuss als Bundespräsident erfüllt, aber nur „Staatsschauspieler“ oder „Repräsentationsonkel“ wollte er nicht sein. Der politische Pädagoge überzeugte die Deutschen von den Werten der Demokratie, als Staatsoberhaupt verschaffte er der jungen Bundesrepublik wieder Zutritt zur europäischen Völkerfamilie. Seinen politischen Kompetenzen hat er im Parlamentarischen Rat selbst mit definiert: ausgleichende Kraft soll der Bundespräsident sein im für die Demokratie lebensnotwendigen politischen Streit.

Nach seinem Amtsantritt als Bundespräsident 1949 stellte sich Theodor Heuss die Aufgabe, die „Deutschen zu entkrampfen“, dem durch die Zeitgeschichte schwer geschüttelten und zerrissenen deutschen Volk so etwas wie Selbstachtung, aber auch demokratisches Bewusstsein zu vermitteln.

Als Geburtsstadt sei es für Brackenheim Ehre und Verpflichtung zugleich, Persönlichkeit und Lebenswerk von Professor Doktor Theodor Heuss wach zu halten.

Zeit seines Lebens sei die Beziehung Theodor Heuss' zu seiner Geburtsstadt Brackenheim geprägt gewesen von bemerkenswerter und liebevoller Wärme. Diese Wärme währte ein ganzes Leben und Theodor Heuss bezog sich in jeder Lebensphase auf "sein" Brackenheim: für die Kinderzeit in seinen Jugenderinnerungen "Vorspiele des Lebens"; im schriftstellerischen Pseudonym "Thomas Brackheim" während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur; mit den Besuchen in seiner Heimatstadt, allen voran demjenigen zur Entgegennahme der Ehrenbürgerschaft der Stadt Brackenheim am 2. Oktober 1949.
In seiner Abschiedsrede als amtierender Präsident der Bundesrepublik Deutschland im September 1959 verglich Theodor Heuss sein Leben mit dem Flüsschen seiner Geburtsstadt, der Zaber. Und in seinem letzten Lebensjahr äußerte er in einem Brief großes Bedauern, wegen seiner schweren Krankheit nicht nochmals die vertrauten Freunde und Orte besuchen zu können. „Dass mein Nachtpfleger aus Brackenheim stammt, ist ja eine liebenswürdige Ausweitung meines Schicksals“ schrie er 3 Monate vor seinem Tod an die Stadt.

Umso mehr erfülle die Stadt Brackenheim mit Freude und Achtung die Aufgabe, das Andenken an diesen großen Deutschen zu erhalten und in seinem Sinne demokratische Erinnerungskultur zu pflegen. Auch in finanziell für die Kommunen immer schwereren Zeiten leiste die Stadt Brackenheim hier ihren Beitrag - vor allem auch als Perspektive für die junge Generation - Demokratie als Lebensform zu pflegen.

„Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele“. Unter dieses Bibelwort aus dem Matthäusevangelium hatte Altlandesbischof Martin Haug den Trauergottesdienst für Theodor Heuss vor 40 Jahren gestellt. Die Menschenseele und die damit verbundene unantastbare Würde des Menschen, jedes Menschen, ist ein einzigartiger Wert. Dies thematisierte Theodor Heuss wiederholt mit dem Begriff der „Anständigkeit in der Politik“.

Theodor Heuss habe mit seinem Werk und Leben einen Maßstab gesetzt, Raum und verantwortliche Freiheit für den Menschen zu bewahren und uns die Möglichkeit eröffnet, uns im demokratischen Gefüge selbst für diese verantwortliche Freiheit im Rahmen unserer demokratischen Grundordnung einzusetzen. Mit einigen Momenten der Besinnung und Stille würdigten die Anwesenden Leben und Werk von Theodor Heuss.

Im Anschluss nahm eine Abordnung der Stadt an der Gedenkfeier am Grab von Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp auf dem Stuttgarter Waldfriedhof teil. Mitglieder der Familie Heuss, Repräsentanten des Bundes, des Landes, verschiedene Stiftungen, der FDP sowie verschiedene Städte – darunter auch seine Geburtsstadt Brackenheim- legten dort Kränze zum Gedenken an Theodor Heuss nieder. “Heuss wusste, Demokratie gibt es nur dort, wo es Demokraten gibt. Er hat der Bundesrepublik viel mit auf den Weg gegeben.“ betonte Lord Ralf Dahrendorf, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in seiner Ansprache. Für den Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart Wolfgang Schuster ist Heuss’ Vorbildfunktion nach wie vor ungebrochen. Enkel Ludwig Theodor Heuss erinnerte an die verschiedenen Aspekte der Persönlichkeit seines Großvaters – Staatsmann, Journalist, Gelehrter und Maler. Aus all diesen Facetten habe „sich ein Lebensweg zusammengefügt, der sich stets an der inneren Freiheit und Unabhängigkeit des überzeugten Liberalen orientiert hat.“